Translation

Tut mir Leid, sagte ich. Tut mir Leid, dass dieser Mistkerl dich beschimpft hat. Und er sagte, es wär nicht meine Schuld, aber ich erklärte ihm, dass es natürlich meine Schuld war, denn wenn er mich nicht getroffen hätte, hätte ihn am Neujahrstag niemand Sauhund genannt. Und er antwortete, er wär schon oft Sauhund genannt worden. (Und das ist wirklich wahr. Ich kannte ihn jetzt eine Weile und ich würd sagen, dass ihn selbst komplett fremde Menschen schon etwa fünfzehn mal Sauhund, zehn mal Schwanz, ungefähr genauso oft Wichser und annähernd ein halbes Dutzend mal Arschloch genannt haben. Und auch: Vollideot, Trottel, Depp, Scheißkerl und Schwachkopf.) Niemand kann ihn leiden, was echt seltsam ist, weil er doch eigentlich berühmt ist. Wie kann man nur berühmt sein, obwohl einen niemand mag? Martin sagt, das hat nichts mit der Minderjährigen-Sache zutun; er meint, wenn sich überhaupt etwas verändert hat, dann wurd es danach ein bisschen besser, weil genau die Menschen, die ihn vorher Sauhund genannt hatten, die Sorte Menschen sind, die an Sex mit Minderjährigen nichts falsch finden. Statt ihn also weiter zu beschimpfen, haben sie ihm Dinge zugerufen wie: weiter mein Junge, immer rein damit, hau rein und so weiter. Wenn man also nur an diese persönlichen Beschimpfungen denkt, also nicht an seine Ehe, die Beziehung zu seinen Kindern, seine Karriere, seine Gesundheit, hat ihm die Zeit im Gefängnis geholfen. Eigentlich sind alle möglichen Leute berühmt obwohl sie keine Fans haben. Tony Blair ist ein gutes Beispiel. Oder diese ganzen Menschen, die Frühstücksfernsehen moderieren oder Quizshows. Ich glaub, das ist genau der Grund dafür, dass sie so viel Geld kriegen: Sie werden auf der Straße von völlig fremden Menschen beschimpft. Selbst ein Bulle wird nicht als Sauhund beschimpft, wenn er nur mit seiner Familie einkaufen geht. Also sind die einzig guten Gründe, Martin zu sein, sein Geld und die Einladungen zu Filmpremieren und gefragten Clubs. Und genau an solchen Orten bist du in Schwierigkeiten. Das warn nur son paar Gedanken, die ich hatte als Martin und ich uns umarmt haben. Aber die haben uns auch nichts gebracht. Ausserhalb von meinem Kopf war es fünf Uhr morgens, wir waren alle scheiße drauf und wussten nicht wohin.

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~ by luisaliebtrau on April 29, 2009.

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