Nick Hornby: A Long Way Down; page 65, line 9 – page 66, line 4

Tut mir Leid, sagte ich weiter. Tut mir echt leid, dass dieser kleine Drecksack euch so beschimpft hat. Und er dann, das ist nicht deine Schuld, aber ich hab klar gemacht, dass es meine war, denn wenn er mich nicht getroffen hätte, dann wäre ihm dieses Trauma auch erspart geblieben, am Neujahrstag Fotze genannt zu werden. Und er sagte, dass er oft Fotze genannt wird. (Was auch verdammt wahr ist. Ich kenne ihn jetzt eine ganze Weile, und eins kann ich sagen, ich habe Leute gehört, total Fremde, die ihn so um die fünfzehn Mal Fotze genannt haben, um die zehn Mal Schwanz, etwa genauso oft Wichser, und fünf- sechsmal Arschloch. Außerdem: Hurensohn, Scheißkopf, Idiot, Flachwichser, Schwanzlutscher.)
Keiner mag ihn, was abgefahren ist, denn er ist berühmt. Wie kannst du berühmt sein, wenn dich niemand mag?
Martin sagt, dass das nichts mit der Geschichte mit der Fünfzehnjährigen zu tun hat, er vermutet, dass es danach – wenn überhaupt – sogar ein bisschen besser geworden ist, denn die Leute, die ihn mit Möse oder so angesprochen haben, sind genau die, die nichts Schlimmes an Sex mit Minderjährigen finden. Anstatt ihn so mies anzumachen, riefen die Dinge wie, ja, Mach weiter, Junge oder, Hau rein, altes Haus, und so weiter. So schlimm es für seine Ehe, seine Kinder, seine Karriere und seinen seelischen Zustand gewesen ist, eine Weile in den Knast zu wandern, so gut war es eigentlich, was diese wüsten Beschimpfungen angeht. Aber alle denkbaren Typen von Menschen scheinen irgendwie berühmt zu sein, auch wenn sie keine Fans haben. Ein gutes Beispiel wäre Tony Blair. Und all die anderen Typen, die das Frühstücksfernsehen oder Quiz-Shows präsentieren. Der Grund, warum sie so viel Kohle kassieren, scheint mir jedenfalls so, ist, dass Fremde auf der Straße ihnen grässliche Wörter entgegen grölen. Selbst Verkehrspolizisten werden nicht als Fotzen bezeichnet, wenn sie mit ihrer Familie einkaufen gehen. Der einzige echte Vorteil, den es mit sich bringt, in Martins Haut zu stecken, ist das Geld, und auch die Einladungen zu Filmpremieren und in zwielichtige Nachtclubs. Und dort bringst du dich ja selbst in Schwierigkeiten.
Das waren ein paar von den Gedanken, die mir so durch den Kopf schossen, als Martin und ich uns umarmten. Doch sie brachten uns nirgendwo hin und halfen uns nicht weiter Außerhalb meines Kopfes war es fünf Uhr morgens, wir alle waren unglücklich und wussten nicht, wohin.

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~ by gespenst92 on April 29, 2009.

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